Nach unserem Besuch der World Press Photo 2024-Ausstellung in Oldenburg mit anschließendem Ausflug nach Wilhelmshaven zwecks eigener Fotografie der Alten Mole und dem am Kai liegenden Feuerschiff ‚Wilhelmshaven‘ verlief der März 2025 etwas ruhiger im ExifCafé. Untätig waren die User jedoch nicht, denn es gibt intern einige Vorbereitungen für zukünftige Aktivitäten.
Die zurückliegenden Wintermonate wurden von den ExifCafé-Usern genutzt, um die im vergangenen Jahr erstellten Fotografien zu sichten, ordnen und zu bearbeiten. Zwischenzeitlich verwenden viele User dazu Adobe Lightroom und Adobe Photoshop. Beide Programme sind mächtige Werkzeuge, für deren gezielte Nutzung und erfolgreiche Anwendung man jedoch auch entsprechende Kenntnisse braucht. Oft ergeben sich bei der praktischen Fotobearbeitung auch immer wieder Fragen, die in unserem Forum oder auch während unserer Online Phototalks gestellt und beantwortet werden können. Um das Gemeinschaftswissen der ExifCafé-User mit Tipps und Tricks bei der Fotobearbeitung zu nutzen, haben sich mehrere User in einer geeigneten Location zusammengefunden, um in einer Gruppe, jeweils am eigenen Rechner, eigene Bilder mit Adobe Photoshop zu bearbeiten, dabei Kenntnisse auszutauschen und zu erweitern. Über die eigene praktische Anwendung erfolgte der Lernprozess, wobei sich die Teilnehmer gegenseitig halfen.
Für dieses Vorhaben hatten sich alle Teilnehmer ausgiebig Zeit genommen. Über rund 7 Stunden wurde zusammengearbeitet und natürlich hatten alle Teilnehmer dabei auch neue Aha- und Erfolgserlebnisse. Am Tagesende wurde diese Gemeinschaftsarbeit als eine sehr effektive Aktion bezeichnet, die unbedingt wiederholt, bzw. weitergeführt werden soll. Ein weiterer Termin der gemeinsamen Fotobearbeitung mit Adobe Photoshop ist schon geplant und neben den Teilnehmern der ersten Gruppenarbeit haben auch bereits weitere ExifCafé-User ihre Teilnahme an der Folgeaktion mitgeteilt.
Die aktuelle Challenge-Aufgabe lautete: ‚Alles eine Frage der Perspektive‘. Die fotografischen Ergebnisse dazu wurden wieder im Online Phototalk vorgestellt. Dieter D. hatte für sein Foto eine Poster-Transportrolle genutzt, in die er ein Mercedes-Modellauto integriert hatte. Licht wurde in das Innere der Pappröhre über einen Blitz von hinten geleitet, deutlich zu erkennen auch am Schattenwurf der Fahrzeugräder. Die Rundungen der Pappröhre erscheinen im gelb-bräunlichen Farbton, das rote Modellauto und das Innere der Pappröhre wurden über ein 12 mm-Objektiv aufgenommen. Zur Auswahl wurde das Foto in Farbe und auch schwarz/weiß erstellt. Schöne Idee zur Tunnelperspektive! Ein zweites Bild von Dieter zeigt einen gemauerten, gewölbten Durchgangsbereich der Sparrenburg vom Außenbereich auf dem Burghof. Am Ende des Durchgangsbereichs ist eine geöffnete Tür zu sehen ist, die den Blick nach außen auf den Burghof freigibt. Die Aufnahme wird in schwarz/weiß gezeigt, auffällig ist die Helligkeit im gewölbten Durchgangsbereich. Es wurde darüber diskutiert, ob das Bild mit einer etwas dunkleren Ansicht des Durchgangsbereichs gewinnen würde.
Jupp überraschte uns mit seiner Perspektive auf einen besonderen Leuchtturm, den er im Nordosten der Kanareninsel Teneriffa in der Gemeinde San Cristóbal de La Laguna fotografiert hatte. Der architektonisch außergewöhnliche Leuchtturm Faro de Punta del Hidalgo mit einer Reichweite von 16 Seemeilen wurde 1992 nach Plänen des Architekten Hidalgo Ramiro Rodriguez-Borlado errichtet und 1994 in Betrieb genommen. Der reinweiße, automatisch betriebene, gesamt ca. 52 Meter hohe Leuchtturm mit seiner einzigartigen Architektur ist aus einer Vielzahl unterschiedlich hoher Quader zusammengesetzt, die auf einer dreieckigen Basis wachsen. Er steht am Rand einer flachen Küstenebene, die von Bananenplantagen bedeckt ist. Und genau diese Bananenplantagen machen es schwierig, den Leuchtturm in Szene zu setzen. Durch die räumlich unmittelbare Nähe der Bananenplantagen-Begrenzungen hat Jupp den Leuchtturm per 13 mm-Objektiv steil nach oben fotografiert, was die Linien der umgebenen Quadersäulen auch in der Vertikalen als Dreieck erscheinen lässt. Die im zweiten Bild realistische Ansicht aus größerer Entfernung zeigt jedoch die Geradlinigkeit des weißen Leuchtturms, der wie eine Skulptur auf der Felsenzunge vor dem blauen Atlantik steht. Zwei Bilder, die den Unterschied der Perspektive intensiv verdeutlichen.
Heinz hatte eigentlich ein anderes Vorhaben, als er zufällig eine ungewöhnliche Perspektive über einen kleinen Handspiegel in seiner Küche entdeckte. Sein Bild ist eigentlich zweigeteilt: einmal die direkte Ansicht eines Küchenbereichs und zum zweiten die im Handspiegel ersichtliche Umgebung des rückwärtigen Wohnbereichs. Das Interessante daran ist die Schnittstelle des Übergangs von der Direktansicht zur gespiegelten Ansicht, die bis auf einen vertikalen Schatten in der Bildmitte relativ unauffällig ist. Interessante, zufällig entdeckte Perspektivspielerei, die sich vielleicht auch einmal gezielt für ein anderweitiges Projekt einsetzen lässt!
Dieter K. zeigte uns seine perspektivischen Bilder von einer Graffiti-Tour in Hannover. Die Stadt Hannover und auch private Auftraggeber haben kunstvolle Straßenmalerei erfolgreich ins Stadtbild integriert. Eine großflächig besprühte Hauswand mit dem Motiv einer Frau, die auf einem erkerartigen Vorsprung ins blaue Universum zu schweben scheint, ist der zentrale Blickpunkt. Die spitzwinklige, dreieckige Grundfläche des gemauerten Vorsprungs und die ebenfalls spitzwinklig zulaufende Form der Hausdachumrandung sind auffällige Bildinhalte. Die gewählte Perspektive integriert die stürzenden Linien des Gebäudes harmonisch in die Gesamtansicht. Auch sein zweites Bild zeigt ein großes Graffiti an einer Hauswand. Ein Mädchen pustet bunte Seifenblasen. Um die erzeugten Seifenblasen in der Waagerechten abzubilden, hat Dieter bei der Aufnahme seine Kamera deutlich nach links geneigt und die Hauswand auf eine unsichtbare Spitze gestellt. Mit im Bild ist die nicht störende Straßenbeschilderung zu sehen, das links erkennbare Handwerker-Fahrzeug war in diesem Aufnahmeformat nicht auszuschließen, könnte daher aber ein Fall für die Fotobearbeitung werden. Kreative Motive, kreativ aufgenommen!
Andreas K. ist im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit viel unterwegs und hatte in Friedrichshafen am Bodensee die Möglichkeit, ein Bild vom 22 Meter hohen Aussichtsturm an der Hafenmole aufzunehmen. Über 117 Stahltreppen geht es hoch hinaus zu zwei Aussichtsplattformen. Andreas hat allerdings nicht die übliche Ansicht von der oberen Plattform des Turms oder den Turm selbst fotografiert, sondern den Aufbau der Unterkonstruktion aufgenommen. Eine grafische Ansicht, die über diese Perspektive Details der Turmtechnik zeigt. Eine weitere grafische Perspektive zeigt sein Bild vom Messeturm Leipzig. Der Messeturm Leipzig ist das Wahrzeichen der neuen Leipziger Messe. Er wurde 1995 errichtet, ist 85 Meter hoch und trägt an seinem oberen Teil das Logo der Leipziger Messe, das Doppel-M. Der seilverspannte Turm besteht aus einer Gittermastkonstruktion, die vier Rohre in der Vertikalen hält. Auch hier hat Andreas die Perspektive von unten über zwei der Rohre in die Höhe gewählt. Das Bild ist aufgrund der Aufnahme aus der freien Hand leicht dezentriert, dennoch kommt die Technik in der Schwarz/Weiß-Ansicht bis in den strukturlosen Himmel gut zur Geltung.
Mein Perspektiv-Foto sollte eigentlich eine Ansicht aus der Strauchmitte einer fast 3 Meter hohen Forsythie per Weitwinkel sein, auf dem sich die in den Himmel ragenden, gelbblühenden Zweige zu einer Kuppel vereinen, ähnlich einem Waldfoto, auf dem sich die Baumkronen perspektivisch zusammenschließen. Trotz mehrerer Versuche war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber ein Blick auf unsere Keller-Außentreppe, deren Stufenspitzen von der flach stehenden Sonne nur noch minimal angestrahlt wurden, zeigte sich als interessantes Motiv. Flach über die vielen Stufenenden fotografiert war das fotografische Ergebnis ein Rätselbild, erstellt über Licht, Schatten und ungewöhnliche Perspektive.
Nach der Challenge diskutierten wir über unsere verschiedenen Farbwahrnehmungen. Axel hatte uns nach der Einstellung von eigenen Bildern im Forum zu unseren Eindrücken der Farbintensität seiner Bilder gefragt. Zunächst habe ich mir die Bilder auf dem (nicht kalibrierten) Monitor meines Laptops angesehen und fand die Farben realistisch. Bei späterer Betrachtung auf einem größeren, kalibrierten Monitor bot sich mir ein gänzlich anderes Farbempfinden. Jeder von uns hat schon erlebt, dass in Auftrag gegebene Fotodrucke bei Lieferung deutlich anders aussehen, als auf dem Monitor des eigenen PCs. Oftmals ein Ergebnis eines nicht kalibrierten Monitors, der die Farben und Kontraste falsch darstellt. Um diesen Fehler auszuschließen, ist es also sinnvoll, seinen Monitor zu kalibrieren. Außerdem kann man das Softproofing in Adobe Photoshop und Adobe Lightroom nutzen, um Fotos für den Druck zu optimieren. Softproofing ist ein Verfahren, mit dem die farbmetrische Ausgabe digitaler Produktionsdaten auf einem Monitor beurteilt werden kann. In Verbindung mit den entsprechen ICC-Profilen kann dann im Voraus erkannt werden, wie Bilder auf dem Ausgabeprodukt aussehen werden. Abweichungen oder Farbverschiebungen können erkannt und korrigiert werden, bevor der Fotodienstleister das Fotoprodukt herstellt. Wer also unerwünschte Überraschungen bei Fotoausdrucken vermeiden möchte, sollte sich einmal intensiver mit diesem Thema beschäftigen.
Zum Thema Urheberrechte konnten Jupp und Sven mit einem eigenen Erlebnis beitragen, bei dem Jupp im beruflichen Rahmen bei einem auswärtigen Kundentermin ein gewerblich genutztes Foto von Sven erkannt hatte. Spontan erkundigte er sich bei Sven, ob er Kenntnis von der Verwendung seines Fotos hätte. In diesem Fall konnte Sven die rechtmäßige Bildnutzung des Unternehmens bestätigen, die Marketingabteilung des Unternehmens hatte sein Foto im Internet gefunden und ihn kontaktiert. Weil Sven die konkrete Werbeumsetzung mit seinem Foto bis dahin nicht kannte, konnte ihm Jupp nach Anfrage bei seinem Gesprächspartner ein Exemplar des Werbemittels zuleiten. Dieser Vorfall liegt schon viele Jahre zurück, aber Jupp und Sven haben das Werbemittel noch immer im Besitz.
Unsere neue Challengeaufgabe lautet ‚Wald – in allen Facetten‘. Damit steht für die ExifCafé-User also ein Ausflug in die Natur fest, wir sind gespannt auf die fotografischen Ergebnisse. Bei diesem Thema wurde dann auch gleich wieder ein sehenswertes Besuchsziel genannt: Der ‚Gespensterwald‘, gelegen am Ostseebad Nienhagen, zwischen Heiligendamm und Rostock-Warnemünde. Westlich des Ortes liegt unmittelbar an der etwa zwölf Meter hohen Ostsee-Steilküste das Nienhäger Holz. Die Erosion durch Wind und Wasser führt dazu, dass Jahr für Jahr ca. 25 cm der Steilküste wegbrechen. Die Namensgebung ‚Gespensterwald‘ ist nicht näher bekannt, jedoch vermutlich auf den 1,25 Kilometer langen und rund 100 Meter breiten Küstenabschnitt des Waldes zurückzuführen, in dem vorrangig Buchen und Eichen stehen. Hauptsächlich die Buchen sind durch den Seewind so verformt, dass sie häufig einseitigen Wuchs und ein schlangenhaft verdrehtes Geäst aufweisen, was dem Wald in der Dämmerung und bei Nebel ein gespenstisches Aussehen verleiht. Zwischen den Bäumen ergeben sich Ansichten und Bilder, die den einmaligen Zauber des Waldes noch intensiver erscheinen lassen. Spektakuläre Motive ergeben sich, wenn die Sonne flach über die Ostsee in den Wald während des Sonnenaufgangs / Sonnenuntergangs scheint. Mit über 400 km Entfernung ab Bielefeld wäre dieses Ziel für einen Tagesausflug zu weit entfernt, aber für einen Kurzurlaub sicher ein interessantes Ziel!
Jupp und Katharina planen am Wochenende am Canon-Workshop ‚Urban Traffic – Bewegung in der Stadt‘ in Hamburg teilzunehmen. Bei einem Fotowalk stehen Aufnahmetechniken verschiedener Arten im Mittelpunkt, um Bewegungen fotografisch einzufangen. Es geht um Mitzieher, Verwischer und das Einfrieren von Bewegungen. Dazu werden Radfahrer, E-Scooter, Autos aber auch Fußgänger die Motive sein und erkennen lassen, was die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bewegungsrichtungen für die Einstellungen an den Kameras bedeuten.
Derzeit halten wir Ausschau nach interessanten Ausstellungen und sehen unsere vorliegende, unendliche Liste der sehenswerten Ziele durch – und werden dann schon bald wieder zusammen auf Motivsuche gehen!